Yakfilter bloggt wieder...
Sonntag, 11. November 2007
Happy Birthday, Don Alfredo

Wie jedes Jahr begehen wir von den roscher-rockers den 11. 11. mit großer Ehrfurcht, um unserem großen Idol Don Alfredo alles Gute zum 48. Geburtstag zu wünschen. Der Tag, an dem im übrigen auch Fjodor Dostojewski (1821), Magda Göbbels (1901) und James Bond (1920) ihre Geburtstage feierten und an dem Polen (1918) und Angola (1975) ihre Unabhängigkeit erlangten ist auch derselbe, an dem die amerikanischen Anarchisten Albert Parsons, August Spies, George Engel und Adolph Fischer <a href="de.wikipedia.org wurden (1887) , an dem die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs (1918) beigelegt wurden und an dem von den Austrofaschisten die Todesstrafe für Mord, Brandstiftung und „öffentliche Gewalttätigkeit durch boshafte Beschädigung fremden Eigentums“ eingeführt wurde (1933).
Der Elfte Elfte ist zudem das Erscheinungsdatum von Hans Christian Andersens "" Das Hässliche Entlein (1843) und von Tolkiens zweitem Teil der "Herr der Ringe"-Trilogie, "Die zwei Türme" (1954). . 1675 wurde Gobind Singh Ji am 11. November der zehnte und letzte Guru der westindischen Sikhs und im Jahr 2000 ereignete sich an diesem Datum die Brandkatastrophe in der Standseilbahn in Kaprun, nach der beschlossen wurde, keine Standseilbahnstrecken mit Tunnels mehr zu bauen, ein Vorhaben, das sich die Innsbrucker Stadtregierung offensichtlich sehr zu Herzen genommen hat, denn nach dem Zerhacken bzw. Konservieren der alten, hübschen Zugsgarnituren der Hungerburgbahn wurde die neue Trasse mit einigen derartigen Todesfallen bestückt, eine davon trägt ja bekanntlich den Vornamen der die Stadt regierenden Metzgerin. Wahrscheinlich war man neidisch auf die Schlagzeilen in der Weltpresse, denen man nur die Handvoll Air&Style-Toten (an deren Ableben die damalige Stadtregierung auch nicht gerade unschuldig war (angebliches Van-Staa-Zitat: "Der Glühwein ist wirklich ausgezeichnet" )) von 1999 entgegenhalten konnte und man dachte sich, wenn wir schon keine olympischen Spiele mehr abhalten dürfen, dann nützen wir doch den gottgegebenen Vorteil des Föhns, Hauptsache, wir machen irgendwie Schlagzeilen. Wobei man hinzufügen muss, dass der Föhn als Fallwind bei einem etwaigen Brandfall im Hildestollen das Feuer nach unten in Richtung Löwenhaus drücken könnte. Man wird sehen... Aber darum geht es heute nicht. Vielmehr wollen wir das heutige Datum würdigen, das von den meisten ausschließlich als Faschingsbeginn wahr genommen wird. (So ist mir auch heute morgen in der U-Bahn-Station Hietzing ein äußerst mißmutiger Mensch in einer Verkleidung, die unterhalb des Kopfes an einen Polizisten und oberhalb an einen Admiral zur See erinnerte, begegnet. Der stand da rum und hatte eine dicke Plakette am Revers, auf der stand "Döblinger Faschingsgilde". Wirklich glücklich wirkte der Mann jedoch nicht, er tat auch nichts, sondern stand nur so rum...) Um das Andenken an den großen Stürmer zu wahren haben wir von den roscher-rockers seinen Namen auf der Wikipedia-Seite des heutigen Tages verewigt und hoffen, dass er dort lange bleiben wird. Happy birthday, Don Alfredo!!!

Yakfilter

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Dienstag, 23. Oktober 2007
Adieu Antennenfernsehen

Seit gestern ist es auch in Wien zur Wahrheit geworden: Der Orf und seine Brüder ATV und PulsTV senden nicht mehr. Nur mehr digital.
Für alle, die nicht schon längst vorgesorgt und sich ihre DVB-T-Box schon im Vorfeld gecheckt hatten, gab der Rundfunk in Form eines nicht gerade unaufdringlichen Streifens, der den unteren Teil des Bildschirms verdeckte, eine kleine Erinnerungshilfe. Auf demselben lief seit Anfang Oktober ein Countdown, der half, die verbleibenden Tage bis zur digitalen Zukunft hautnah mitzuzählen, damit einen das neue Zeitalter nicht unerwartet treffen könne. Anfangs waren nur ORF und ATV von der Umstellung betroffen, nach ein paar Tagen war dann auch PulsTV dabei. Wahrscheinlich hatte man sich benachteiligt gefühlt und reklamiert.
Für die durch diesen Informations-Streifen Vorbereiteten eröffnen sich nun mehrere Möglichkeiten, die neue Zeit zu begehen: Entweder in Zukunft auf das österreichische Bildungsfernsehen zu verzichten und fortan wieder Bücher zu lesen, was natürlich mit einem Schritt zurück in Richtung Mittelalter gleichzusetzen ist und somit einen Bildungsverlust darstellen würde. Immerhin verlangen Buchhandlungen für ihre bloße Existenz keine Steuer und sie schicken auch keine Eintreiber an die Haustüren. Sie hätten es aber auch schwerer, ihren Bildungsauftrag rechtzufertigen, denn wie soll ein Buchladen bspw. die Champions league präsentieren?
Deshalb ist diese Variante als bildungs- und fortschrittsfeindlich zu verwerfen.

Eine andere Möglichkeit wäre, endlich auf Kabelfernsehen umzusteigen. Sicher eine Überlegung wert und auch sicherlich fortschrittsorientiert, aber doch etwas unpatriotisch, denn die nationalen Bedürfnisse der Österreicher werden dort nur im Werbefunk berücksichtigt, nicht aber in der Programmauswahl. Wobei der Sachsensender MDR schon mal den Bockerer zeigt, aber das darf als Ausnahme angesehen werden, denn dafür soll es ja angeblich auch Gelder vom österreichischen Staat geben, weil damit das häßliche Bild von Österreichs Beteiligung am Nationalsozialismus zurecht gerückt wird. Und das besser, als jeder Porno es schaffen würde.

Bleibt als dritte Möglichkeit, sich diese DVB-T-Box tatsächlich zu kaufen. Es sind zur Zeit so Lastwägen unterwegs, weil der Rundfunk mit Panikkäufen rechnet und es gibt sicher auch irgend eine homepage, auf der man erfahren kann, wo sich diese Lastwägen gerade befinden. Oder man wendet sich an den Fachhandel...
Eine vierte Möglichkeit wäre Satellitenfernsehen, aber ich hab keine Ahnung, ob das ohne DVB-T-Box funktioniert und überhaupt keine Lust, das zu recherchieren.
Zumal ich gestehen muss, dass ich mich längst entschieden habe, ich wurde ja gut darauf vorbereitet. Ich werde die Gelegenheit beim Schopf packen und wieder zu lesen beginnen. (Damit man mir aber nicht Rückständigkeit vorwerfen kann, werde ich nun auch vermehrt im Netz aktiv sein (auch zum Lesen) und habe beschlossen, diesen stillgelegten blog wieder zu beleben, auch wenn ich mich momentan in keinem sehr interessanten Land aufhalte.)

Das Netz bietet nebenbei auch die Möglichkeit, das Fernsehen zu ersetzen, ich hab gestern drei Pumuckl-Folgen auf you-tube gesehen und es gibt auch "Es war einmal... der Mensch" und Nick Knatterton. Mag ich eigentlich ohnehin lieber als GSI. Allerdings ist mein PC nicht besonders und deshalb kann ich es mir nur im Kleinformat anschauen, aber das reicht ja auch.
Noch habe ich auch keine Probleme, der körperliche Entzug könnte ärger sein und der psychische wird erst kommen. Und wenn es ganz schlimm wird, kann ich immer noch Charmed in slowakischem Rauschen empfangen. Das ist dann auch ein ganz neues Gefühl: Legales Fernsehen. (Wäre im übrigen eine Anregung für die GIS, es gibt sicher grenznahe Haushalte im benachbarten Ausland, die ORF empfangen können (sofern diese Länder ihrerseits auf DVB-T umgestellt haben), da könnte man doch auch Keiler hinschicken; nicht, dass sich diese Verbrecher auf unsere Kosten bilden lassen...)

Manches wird mir abgehen. Die Camdens sind mir im Lauf der Jahre und Wiederholungen schon sehr ans Herz gewachsen, aber irgendwann muss man sich auch losreißen können. Und auch um Lydia Pirelli tut es mir sehr leid. Lydia, alles Gute!
Auf der anderen Seite werd ich so natürlich ein wenig von den Nachrichten verschont werden (oder auch nicht).

Der geneigte Leser möge sich nur einmal vorstellen, um wie vieles schöner sein Leben seit dem letzten Jahr verlaufen wäre, wenn er nie etwas von Natascha Kampusch erfahren hätte. Oder jetzt von Arigona Zogaj. Letztere ging mir gegen Ende ganz schön auf den Sack bzw. weniger sie selbst als vielmehr dieser ganze Hype um sie. Plötzlich haben ORF, Kronenzeitung und ÖSTERREICH (das seit der letzten ORF-Reform immer wieder in der ZiB zitiert wird) bemerkt, dass in Österreich Menschen abgeschoben werden. Das darf ja nicht wahr sein, dachten sich Dichand und Fellner und organisierten um die Wette Demos.
Wobei man einräumen muss, dass man in diesem Fall ja auch auf Printmedien hätte verzichten müssen, aber das tu ich ohnehin schon sehr lange. Trotzdem wär auch ich nicht ungeschoren davon gekommen, denn Mitte letzter Woche bekam ich dann plötzlich so ein Kettenmail (das mag ich besonders gern), in dem dazu aufgefordert wurde, sich registrieren zu lassen, dass man sich bereit erklärt, illegalisierte Menschen bei sich aufzunehmen, "[...] weil das mit den Aufenthaltsverboten wirklich überhand nimmt [...]". (A lá früher waren es ja nur ein paar Abschiebungen, das war schon ganz okay so, aber jetzt, wo sogar die Krone drüber schreibt, muss man doch wirklich endlich etwas tun!)

Ganz abgesehen davon, dass man dadurch vermutlich nebenbei in irgendeiner Kronenzeitungsdatenbank als "Gutmensch" geführt werden würde, sollte man sich doch überlegen, wie das dann im Ernstfall wirklich ablaufen würde: Ein potentieller Abschiebungskanditat könnte sich also an gegenabschiebung.wordpress.com wenden, und da würde er dann lesen können, wer ihn bei sich aufnehmen würde und warum. Problematischerweise ist dieser blog jedoch so angelegt, dass der potentielle Abschiebungskanditat über diese site keinen Kontakt zu seinen in der Theorie sehr engagiertem und (wieder nur in der Theorie) auch zum Gesetzesbruch bereiten Helfer herstellen kann, der blog scheint einzig der Selbstbeweihräucherung ("ich zeig Zivilcourage!") zu dienen, den vorgeblichen Zweck erfüllt er jedenfalls nicht. Dem potentiellen Abschiebungskanditat ist nämlich nicht wirklich damit geholfen, wenn er weiß, dass irgendwer über eine Gästematratze oder ein Fremdenzimmer verfügt und auch schlaue Sprüche a lá "Kein Mensch ist illegal" werden ihn vermutlich nur geringfügig trösten. Etwas zynisch müssen ihm auch die auf diesem blog anzutreffenden postings von Auslandsösterreichern vorkommen. Wie sollte das funktionieren? Der in Österreich mit der Abschiebung Bedrohte wird im Ausland versteckt? Dazu müsste er erst in das betreffende Ausland gelangen, was wahrscheinlich wieder nur illegal möglich wäre, er wäre dann also doppelt illegal und könnte, vor der österreichischen Abschiebung im Ausland versteckt nur darauf hoffen, dass es in diesem Ausland auch so einen Solidaritätsblog gibt, wo evtl. dann ein Auslandsausländer seine Hilfe anbietet, womöglich sogar in Österreich...

Aber man sollte sich nicht lustig machen über Menschen, die helfen wollen. Vielleicht ist es ja gar nicht Sinn und Zweck, illegalisierten Menschen zu helfen (auch wenn das so propagiert wird und ganz gut klingt), vielleicht soll ja nur, um so Druck auf die Regierung zu erzeugen, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht werden, dass neuerdings in Österreich Menschen abgeschoben werden. Doch das hat mittlerweile, wie bereits erwähnt, auch die Kronenzeitung mitbekommen und ist darüber entsetzt. (Von daher ja auch mein Verdacht, dass der ganze blog nur dazu dient, Namen von "Gutmenschen" zu sammeln...)
Die Urheberin des Kettenmails scheint tatsächlich dieser Ansicht zu sein, sie schreibt: "ich [!] denke, wenn sich dazu genug Leute bekennen, führt das das Gesetz irgendwann ad absurdum." Hm. Ich glaube das auch. Immerhin hat Demokratie immer schon so funktioniert, das Volk will etwas und die Politik setzt es dann um. Und wenn man bedenkt, welche Gewichtung Volksbegehren in der österreichischen Gesetzgebung zuteil werden, kann man sich durchaus vorstellen, dass sich die Regierung von diesem blog beeindrucken lässt...
An dieser Stelle ein Tipp von uns roscher-rockers: Wer illegalisierten Menschen wirklich helfen will, kann sich an Organisationen wenden, die in dieser Richtung tätig sind (z. B. Ausländerberatung), in Wahrheit werden Menschen, die ernsthaft bereit sind, Abzuschiebenden zu helfen, sicherlich gesucht...

Zurück zum Antennenfernsehen: Da ich annehme, dass ich nicht der Einzige bin, der die Gelegenheit beim Schopf packen und in Zukunft aufs Fernsehen verzichten will, wird ja auch mein Fernseher nicht der einzige sein, der dadurch funktionslos wird. Ich überlege mir schon seit längerem, was ich nun mit dem Teil machen soll, ich plane irgendein Kunstwerk, weiß aber noch nicht, ob ich mich der seit Jahren höchst aktuellen Klebstoffkunst zuwenden soll oder doch lieber einen kleinen Film mache, aber einerlei, ob ich verschiedene Fernseher zusammenklebe oder aus dem Fenster schmeiße, ich brauch auf alle Fälle mehr als einen. Wenn also irgendein Leser dieses blogs einen nun funktionslosen Fernseher daheim herumstehen hat, den er gern loswerden will, möge er mir das bitte als comment mitteilen...

Okay.
Ich werde also in Zukunft wieder bloggen, mal sehen welche Themen sich ohne TV auftun werden...
Über Leser und Kommentare freue ich mich immer.
So long
Yakfilter

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Sonntag, 1. Mai 2005
Schildkroeten, Schuesse, Dynamit und Fische

Als ich letztens Zigaretten kaufen war, hab ich dort einen Bekannten getroffen, dessen Namen ich zwar nicht weiss, der aber eine wahre Frohnatur ist. Er hatte noch einen Freund dabei, beide Englisch-Studenten im letzten Jahr, und wir haben uns ein wenig unterhalten, bis ein dritter dazukam, der mir die Frage stellte, wie meiner Meinung nach die Zukunft Albaniens aussehe. Wie fast immer auf diese Frage habe ich geantwortet: It will go on, but maybe slowly.
Darauf haben alle drei gelacht und die Frohnatur hat gemeint, dass es im Schneckentempo vorangehe, um mir anschliessend zu erklaeren, dass man in Albanien im Allgemeinen nicht Schnecken sondern Schildkroeten fuer dieses gefluegelte Wort heranzieht, worauf wir uns ein wenig ueber Schildkroeten unterhielten. Die Frohnatur stammt naemlich aus dem Norden, aus einem Dorf, in dem es anscheinend jede Menge Schildkroeten gibt. Ich hab ihn gefragt, ob er Schildkroeten mag, was er aber verneinte, sie waeren ihm zu ungeschickt. Und eben zu langsam. Als er noch ein Kind war, fuegte er hinzu, pflegte er sie wie einen Fussball zu kicken. Den Schildkroeten macht das naemlich gar nichts aus, weil sie ja einen Panzer tragen. Allerdings raeumte er ein, dass die Kinder heutezutage die Schildkroeten viel brutaler kicken, bis sie bluten.
Wie auch immer. Davor hab ich mit zwei anderen geredet, der eine stammte eigentlich aus Skhodra, weil aber sein Urgrossvater dort in den 50ern oder 60ern jemanden abgeknallt hatte, musste die ganze Sippe in eine andere Stadt umziehen und den Nachnamen wechseln. Er koenne zwar mittlerweile wieder nach Skhodra, weil 1982 Frieden zwischen den Sippen geschlossen wurde, aber er interessiere sich eben nicht fuer Skhodra. Anschliessend erzaehlte er mir ein bisschen von den 1997er Unruhen. Ich habe darueber inzwischen ein paar Geschichten gehoert, allerdings scheint es den meisten Albanern eher peinlich zu sein, darueber zu reden. Soweit ich es verstanden habe, gab es damals eine oder mehrere Banken, die immer hoehere Zinsen anbot(en), bis ueber dreissig Prozent, und Ende 96 bzw. Anfang 97 ist das dann eben zusammengebrochen. Im Maerz 97 gab es dann immer wieder Demonstrationen und schliesslich pluenderte die Bevoelkerung die Waffendepots des Militaers und nahm mit, was ging. Die Flugzeuge konnten sie nicht mitnehmen, daher haben sie sie einfach kaputt gemacht. Aber es gab angeblich Bauern, die ihre Felder fortan mit Panzern bestellten. Trotzdem war keine Rede von "Waffen zu Pflugscharen".
So gut wie jeder Albaner ergatterte sich eine Kalashnikow (keine Ahnung, wie man das schreibt), die viele heute noch zu Hause haben. Die Polizei bittet zwar die Bevoelkerung immer wieder darum, diese wieder herzugeben und es scheint auch sporadisch Razzien in Wohnungen zu geben (woran ich nicht wirklich glaube) und die Strafen sind sehr hoch, dennoch haben noch sehr viele ihre Kalashnikow daheim. Allerdings wurde beiweitem nicht das gesamte Arsenal gepluendert, denn der Grossteil der albanischen Waffen soll in den zahlreichen Schaechten und Gaengen in den Bergen versteckt sein, die durch Veranlassung von Enver Hoxha gegraben worden waren.
Waehrend der Unruhen, die nicht ueberall gleich lang und heftig waren, ging in so ziemlich jedem Haeuserblock jede Nacht irgendwo ein Fenster auf, und dann schoss jemand mit seiner Kalashnikow ein paar mal in die Luft. Oder auch in eine andere Wohnung. Auch auf der Strasse wurde geschossen, mir wurde von jemandem erzaehlt, er habe sich einmal gerade auf dem Heimweg befunden, als ihm drei Jugendliche recht panisch entgegengelaufen kamen, worauf er, weil er schon wusste, warum die liefen, sich sofort auf den Boden geworfen hat. Ein Mann mit einer Kalashnikow tauchte auf und und schoss den dreien hinterher, schoss das ganze Magazin leer, traf auch einen in die Wade und entschuldigte sich hinterher bei meinem Bekannten, dass er in diese Angelegenheit hineingezogen worden war. Derselbe hatte allerdings auch eine Kalashnikow zu Hause, die eines Abends sein Vater stilgerecht in einem Geigenkoffer nach Hause gebracht hatte. Vor einem Jahr hat er sie der Polizei zurueckgegeben...
Jemand anderer erzaehlte mir, dass es zwar schon abging, das Leben aber nach wie vor weiter gegangen waere, mit rauchen, essen, Disco gehen usw. Ich habe ihn gefragt, ob das nicht trotzdem staendig lebensgefaehrlich gewesen waere, was er jedoch verneinte, gefaehrlich waere es zwar schon gewesen, aber gestorben waeren dabei hauptsaechlich Leute, die vorher schon jede Menge Dreck am Stecken gehabt haetten und an denen nun Rache veruebt worden war. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass ich meine Informationen vor allem von Leuten aus Tirana habe und in Tirana ging es nicht so ab wie anderswo. In Skhodra, Vlora oder auch Elbasan hat sich zu dieser Zeit anscheinend wirklich niemand nach Einbruch der Dunkelheit auf die Strasse gewagt und es haben sicher auch mehr Menschen dran glauben muessen, als es mir kolportiert wird.
Aber zu dieser Zeit wurde nicht nur geschossen, es wurde auch viel randaliert und zerstoert. Dinge, Einrichtungen etc., die vormals in Staatsbesitz gewesen waren. Sehr viele landwirtschaftliche Flaechen wurden kaputt gemacht, Baeume umgehauen usw. Aus einer Fabrik wurde eine Oelleitung in einen See gelegt, der natuerlich heute immer noch voellig tot ist. Man kann sagen, dass grosse Teile der ohnehin duerftigen Infrastruktur von der eigenen Bevoelkerung zerstoert wurden, das wird aber jetzt wieder aufgebaut. Wenn auch langsam, so doch fast ueberall. Albanien ist eine Riesenbaustelle.

An der Grenze zu Mazedonien liegt der Ohridsee, der als einer der schoensten Plaetze des Balkans gilt. In diesem See gibt es eine Forellenart, Koran mit Namen, die die wohlschmeckendste Forelle der Welt sein soll, eine aehnliche Art gibt es sonst nur in irgendeinem See, ich glaube, in Sibirien. Allerdings gibt es im Ohridsee die meisten davon auf der mazedonischen Seite, weil die Albaner da staendig mit Dynamit gefischt haben und das wurde den Koranen irgendwann zu laut und sie sind nach Mazedonien geschwommen. Seit zwei Jahren ist das Dynamitfischen in Albanien zwar verboten, aber den Fischen scheint es in Mazedonien gut zu gefallen.
Ich habe erfahren, dass es eine Studie gibt, derzufolge jeder Einwohner Tiranas pro Jahr 40 Kilogramm Staub schluckt. Das bedeutet fuer meinen dreimonatigen Aufenthalt also 10 Kilo. Ich spuer die Verschmutzung hier ausserdem an meiner Haut, zwar habe ich keine argen Ausschlaege, aber doch immer wieder, meine Kopfhaut ist voellig im Arsch, da nuetzt auch zweimal am Tag Duschen nichts. Abgesehen von viel wichtigeren Gruenden bin ich daher sehr froh, dass ich in ca. 2 Wochen die Rueckreise antreten kann. Albanien ist ein aufregendes, ein sehr, sehr freundliches Land, in Tirana herrscht eine sehr entspannte und angenehme Atmosphaere, und trotzdem freu ich mich wie wahnsinnig auf daheim.
Mirupafshim
Yakfilter

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Sonntag, 24. April 2005
Liebespaare und Parkplaetze

Sonntag abend, ich bin schon etwas muede, will aber kurz noch was schreiben. Den Bericht, wegen dem ich ein Monat lang nichts hier raufgestellt habe, hab ich immer noch nicht fertig, gut moeglich, dass ich es erst in Oesterreich schaffen werde. Sei's drum.
Heute war hier endlich mal wieder ein warmer Tag, ich bin recht lang auf einer Bank gesessen und hab dabei herausgefunden, dass Kraehen in Albanien eher unbeliebt sind, waehrend man Tauben sehr schaetzt. Man muss allerdings dazu sagen, dass die hiesigen Tauben wesentlich anmutiger sind als unsere, zum einen farblich, zum anderen haben sie viel schlankere Koerper und zum dritten ist Taubenscheisse wohl das kleinste Problem in Tirana.

Immer, wenn ich abends zurueck in mein Zimmer gehe, komme ich bei sehr vielen Baenken und anderen Plaetzen vorbei, auf denen sich kuessende Liebespaare sitzen. In der Studentenstadt sind die Gebaeude naemlich strikt nach Geschlechtern getrennt, und man darf, glaub ich, nicht Besuch vom anderen Geschlecht mit auf's Zimmer nehmen, ausser natuerlich, man schmiert den Portier oder wartet darauf, bis er eingeschlafen ist. Die das nicht zuwege bringen, machen es sich eben solange wie moeglich im Freien gemuetlich. Auf jeden Fall habe ich noch nie so viele Liebespaare wie in Tirana gesehen.
Auch wenn man nicht in der Studentenstadt wohnt, ist es immer ein Problem, jemanden mit heim zu nehmen, weil so gut wie alle noch bei der Familie wohnen, und da geht das dann natuerlich auch nicht. Verliebte in Albanien haben es nicht leicht.

Von der Liebe zum Verkehr: Es ist nun schon ein gutes Monat her, da war ich in Durres mit Alban, einem meiner Studenten. Durres liegt am Meer und hat einen Hafen, den man aber nicht besichtigen darf, ausser, man will mit einem Schiff verreisen. Wir waren am Strand und der war dreckig genug. Allerdings wurde mir versichert, dass der Strand nur ausserhalb der Saison dreckig ist, Anfang Mai wird dann alles geraeumt bzw. vergraben. Am Strand fuhren zahlreiche Automobile herum, wie mir erklaert wurde, seien das groesstenteils Fahrschueler, die hier uebten, was das Prominieren am Strand nicht gerade ungefaehrlicher machte. Das Meer selbst war erstaunlich sauber, und, obwohl es Mitte Maerz noch recht kalt war, badeten auch ein paar Leute darin. Wir assen in einem schicken Strandrestaurant eine Fischplatte, um hinterher wieder zurueckzufahren, was allerdings nicht ganz unproblematisch war. Wir waren naemlich schon recht frueh am Morgen gekommen und hatten Albans Mercedes auf den leeren Parkplatz gestellt, der mittlerweile ziemlich voll war. Albans Karre war vollkommen zugeparkt, wirklich so, dass es keine Moeglichkeit gegeben haette, da wieder heraus zu kommen. Wenn ein Albaner naemlich keinen Parkplatz findet, parkt er einfach in zweiter Spur. Das ist hier allgemein so ueblich, und ich hatte mich immer schon gefragt, wie die Eingeparkten sich befreien. Alban hat das aber nicht sehr gestresst, er hat einfach so lang gehupt, bis der Besitzer des betreffenden Fahrzeugs gekommen ist, was ca. 5-10 Minuten gedauert hat und fuer die Gaeste im Fischrestaurant sicher sehr untermalend wirkte. Der andere Fahrzeughalter hat dann versucht, sein Auto wegzufahren, was ziemlich schwierig war, weil mittlerweile bereits von beiden Seiten neue Autos kamen, und er weder vor, noch zurueck konnte. Aber Alban hat hinterher noch viel laenger gebraucht, um seine Karre dann zwischen den anderen parkenden und auch den kompromisslos nachrueckenden neu hinzugekommenen Autos hindurchzuzwaengen. Bis wir endlich auf der Strasse waren, war ohne jede Uebertreibung eine geschlagene Stunde vergangen. Am Rueckweg sah ich noch den dreckigsten Fluss meines Lebens, war aber leider nicht flink genug, ihn zu photographieren. Ueberhaupt schauen mich die Leute hier immer so komisch an, wenn ich photographiere.
Tirana hat, nebenbei erwaehnt, vor ein paar Wochen einen Wettbewerb gewonnen, es wurde zur Stadt mit der aergsten Luftverschmutzung in ganz Europa gewaehlt. Angeblich gibt es irgendwo in Tirana auch eine Kreuzung, die ueberhaupt der verschmutzteste Platz auf der ganzen Welt sein soll. Ich werde versuchen, dieselbe ausfindig zu machen, um dann von ihr zu berichten.
Inzwischen schoene Gruesse
Mirupafshim
yakfilter

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Dienstag, 19. April 2005
Vom Zigeunermarkt und eine Geschichte aus dem Norden

Letzten Freitag war ich am Zigeunermarkt. Mit Xake. Ohne ihn hätt ich den nämlich nie gefunden, weil der neben der Ausfahrtsstraße Richtung Durres, Kruja und Rinas liegt und man, um dorthin zu gelangen, erst durch eine Häuserreihe gehen muß, die nicht gerade den Eindruck macht, als wäre dahinter ein Markt verborgen. Der Markt selbst ist sehr eng und hübsch, verkauft werden in erster Linie Kleidungsstücke und Schuhe, letztere hängen immer an ihren Schuhbändern auf Schnüren. Allerdings sind sie nicht paarweise aufgehängt, sondern einzeln. Ich hab mir schon vor Wochen neue Schuhe gekauft (die mittlerweile in den letzten Zügen liegen) und nachdem ich endlich einen in Schuhgröße 43 gefunden hatte, dauerte es noch ca. 20 Minuten, bis der Schuhverkäufer den zweiten Schuh in derselben Größe gefunden hatte, der war dann wirklich in der entgegengesetzten Ecke des Ladens.
Am Zigeunermarkt hab ich mir aber keine Schuhe mehr gekauft, dafür mehr Hemden, als realistischerweise in meinem Rucksack Platz haben werden. Der Vorteil wird allerdings sein, daß ich von hier keine Mitbringsel mitnehmen und daher doch ein bißchen Platz haben werde. Das ist nämlich ein weiterer Vorteil an einer Albanienreise: Es gibt hier wirklich nichts, was man mitbringen könnte, denn alles was es hier gibt, ist importiert. Raki und Koniak, werden die Leute sagen, aber da der österreichische Zoll nur je eine Flasche davon gestattet, wird dieses Mitbringsel wohl für mich selbst sein.
Egal. Zurück zum Zigeunermarkt, der in gewisser Hinsicht mit dem Naschmarkt zu vergleichen ist, allerdings ist das Tiraner Personal wesentlich weniger unverschämt, man muß auch nicht handeln, weil einem gleich der geforderte Preis gesagt wird, was natürlich geschäftstüchtig ist, weil man so einfach mehr Zeit hat, um einzukaufen und nicht wegen jeder Socke eine halbe Stunde Preisverhandlungen führen muß. Im Gegensatz zum Naschmarkt ist der Zigeunermarkt auch überdacht, wenn auch nur mit Plastikfolien. Es gibt mehr, allerdings nur in Hinsicht auf Kleidung, sonst gibt es nur ein paar Stände mit Spielzeug, Schminkkram und Sporttaschen.
Die Waren sind neu, es ist kein Flohmarkt in dem Sinn, wenn es auch auf den ersten Blick so aussieht. Ich hab ein paar Photos gemacht und dabei auch, ohne das wirklich beabsichtigt zu haben, einige Herren, die schon zu Mittag ausreichend Raki genossen hatten, abgelichtet, worauf sie wollten, daß ich einen von ihnen nochmal photographiere, was ich aber dann doch nicht gemacht habe, weil der das offensichtlich nicht wollte.
Nun zu etwas anderem: Eine Geschichte aus dem Norden, die mir Uk, der Englisch lehrende Dichter erzählt hat:
Ein Mann hatte hundert Schafe und ich glaub auch einen Bock, auf alle Fälle aber einen Hund. Der Mann hatte wenig Kontakt zu anderen Menschen, dafür war er der Natur sehr zugetan und Uk meinte auch, daß er verstehen konnte, was die Tiere sagen, wobei man anmerken muß, daß die folgende Geschichte dem widerspricht. Er lebte also nur mit seinen Schafen, dem Bock und dem Hund und hatte es sehr schön mit seinen Tieren. Doch wie das Leben eben nun mal so spielt, mußte er eines Tages sein Haus verlassen, um irgendwelche Dinge zu erledigen, auf irgendeine Behörde gehen oder sowas ähnliches. Jedenfalls mußte er sein Haus und seine Tiere für 48 Stunden allein lassen und sagte deshalb zum Hund, daß der auf die Schafe und natürlich den Bock aufpassen müsse, was der Hund zu tun bereit war.
Aber was für ein entsetzliches Bild bot sich dem Mann, als er von seinem Gang zurückkehrte.
Wenn man in Albanien Heu am Feld sammelt, so geschieht das zwar auf eine vergleichbare Weise wie mit unseren Heumandln, allerdings ist hier der Deminutiv völlig fehl am Platz, weil die Dinger ca. zehn bis zwanzig Meter hoch sind und das Heu der gesamten, jeweiligen Wiese tragen. Um es vor Regen zu schützen sind meistens Planen darübergedeckt, die allerdings einen nur mangelhaften Schutz darstellen, weil sie nie den ganzen Heuhaufen abdecken, sondern nur einen recht kleinen Teil. So wie auch das Käppi des Papstes, so es wieder einen geben wird, nur die Glatze desselben, nicht aber den ganzen Heiligen Vater vor beispielsweise Regen schützen kann. So wie ich es verstanden habe, ersetzen diese Gebilde den Heustadel und haben am Boden eine aufgeschüttete Schicht, aus was, hab ich nicht kapiert, aber die ist dazu da, das Heu vor der Bodenfeuchtigkeit zu schützen.
Der Mann kommt also nach 48 Stunden heim und was er sieht, ist, das auf seinem Pflock kein Heu hängt, sondern seine hundert toten Schafe nebst dem Bock. Sogar die Plane ist darübergezogen. Der Hund lebt noch und läuft schwanzwedelnd auf seinen Herrn zu, worauf dieser annimmt, der Hund habe erst die hundert Schafe getötet und sie dann zu so einem Gebilde gemacht und eigenhändig, soweit man dieses Wort auf einen Hund anwenden kann, die Plane aufgelegt. Er ist sehr zornig auf den Hund, der offensichtlich seine Schutzfunktion sehr unzureichend, um nicht zu sagen gegenteilig ausgefüllt hat. Darum tötet er den Hund und verjagt ihn hinterher (So wurde es mir erzählt!!). Er macht sich anschließend daran, die Schafe und natürlich auch den Bock von der Riesengarbe zu nehmen. Als er zum Boden kommt, zu der Schicht gegen die Feuchtigkeit, entdeckt er, darin eingegraben, einen toten Wolf, dem offensichtlich der Hund die Kehle durchgebissen hat. Er erkennt schnell wie sich die Dinge zugetragen haben: Erst hat der Wolf die Schafe und den Bock gerissen, dann wurde er vom Hund getötet, der seinerseits hinterher die Schafsgarbe errichtete, um so den Schaden möglichst gering zu halten. Der Mann bricht in Tränen aus und sucht den getöteten und verjagten Hund, findet ihn letztendlich und begräbt ihn mit allen erdenklichen Ehren und betet lange für die Seele des Hundes. Hinterher begeht der Mann Selbstmord.
Das Grab des Hundes gibt es heute noch und noch heute pilgern viele Menschen dorthin, um den Hund wie einen Heiligen zu verehren.
Uk hat mir auch noch manch andere Geschichte erzählt, vielleicht werden in diesen Berichten noch einige folgen.
Inzwischen alles Gute
Mirupafshim
Yakfilter

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Freitag, 15. April 2005
Wieder einmal ein kleiner Bericht

Nachdem ich jetzt vermehrt Anfragen bekommen habe, warum es keine neuen Berichte gibt, schreib ich wieder mal einen kurzen.
Das Problem ist, dass ich seit nun genau einem Monat an einem arbeite, an dem ich nicht weiterkomme, weil es eben doch auch anderes zu tun gibt. So hab ich heute mit der 3A (die Uni hier ist wie eine Schule organisiert und es gibt Klassen) in Textanalyse "Angriff aufs Schlaraffenland" von DIE RADIERER durchgemacht. Leider waren nur vier Studenten da, weshalb das anschliessende Absingen des Liedes diesmal etwas duenn ausfiel. Sei's drum.
Diese Woche hab ich mit dem Bus (wovon mir schon in Wien von offizieller Seite streng abgeraten wurde) einen Ausflug in die Naehe von Durres unternommen, wo es eine orthodoxe Klosterschule gibt. Ich war dort mit Sokol, der hier vor Jahren Theologie studiert hat und bei unserem Ausflug ganz melancholisch wurde. Er zeigte mir u.a. den Friedhof und das Grab, an dem die Hinterbliebenen des Verstorbenen immer eine Schachtel mit Tabak und eine Flasche Raki fuer den lieben Verblichenen hinterlassen haben, der bzw. die dann von den Klosterschuelern geraucht bzw. getrunken wurde. Das Kloster bzw. die Kirche war auf einem Huegel und beim anschliessenden Abendessen habe ich den Priester (ich bin mir nicht sicher, ob es ein Pope war) kennengelernt, der sich sehr ueber meinen Besuch gefreut hat und mir vorschlug, in sein Kloster einzutreten, was ich dann aber doch abgelehnt habe. Das Essen war im uebrigen sehr erstaunlich, weil albanisch und vegetarisch und ich hatte mir nicht gedacht, dass es sowas gibt. Hat mir aber sehr gut geschmeckt, gebratene Bohnen mit Dill. Die Bohnen hatten die Groesse einer menschlichen Niere.
Ich habe hier auch meine ersten albanischen Bunker photographiert. Zu Enver Hoxhas Zeiten bekam naemlich jeder dritte Albaner einen Bunker spendiert, die jetzt noch ueberall am Land an zum Teil strategisch sehr unguenstig gelegenen Stellen herumstehen. Sie ragen etwa ein bis zwei Meter aus der Erde und dienen heutezutage, da Albanien ja nun keine Feinde mehr hat, als Abstellkammern oder Komposthaufen.
Gestern war ich das erste Mal zum aktiven Fussballspielen und musste bemerken, dass mir die albanischen Zigaretten nicht gerade guttun. Naja. Lag auch ein bisschen daran, dass die Jungs, mit denen ich kickte, spielten, als ginge es ums Endspiel der Welmeisterschaft. In Zukunft werde ich zweimal pro Woche mit ihnen spielen, wodurch ich hoffentlich wieder zu Kondition finden werde.
Noch eine kleine Geschichte zum Abschluss dieses Kurzberichts: Sokol, dessen 93-jaehrige Grossmutter das Handwerk des Boesen-Blick-Austreibens beherrscht, hat mir die Geschichte seines Onkels erzaehlt, der keine Kinder bekommen konnte (und kann). Obwohl Sokol mehrmals bemerkte, dass das in fact ein health problem sei, war der Onkel da nicht so sicher und hat sich einen Imam, der die weisse Magie beherrscht, gecheckt und mit in sein Haus genommen. Der hat dann, dort angekommen, gleich auf eine Stelle an der Wand gedeutet und zu Sokols Onkel gesagt, er solle mit einem Hammer gegen diese Stelle hauen. Der Onkel tat's, die Mauer broeckelte und zum Vorschein kam ein kleines Flaeschchen, in dem sich Fingernaegel, Haare und ein Faden mit sieben Knoten befanden. Der Imam erklaerte dem Onkel, dass dadurch der (fruehere) Bewohner des Hauses zu Kinderlosigkeit verflucht worden sei, und dass er, der Imam, einen solchen Fluch eigentlich auch nicht zuruecknehmen koenne, da der Fluch aber nicht den Onkel betreffe, ginge es doch. Allerdings hat der Onkel immer noch keine Kinder, weil es in fact ein health problem ist. Die sieben Knoten in dem Faden dehnten den Fluch im uebrigen auf sieben Generationen aus. Ich habe Sokol gefragt, was fuer einen Sinn es macht, so etwas wie Kinderlosigkeit ueber sieben Generationen als Fluch zu verhaengen, worauf er mir sagte, dass das eine gute Frage waere. Erst meinte er, dass der Fluch ja durch die Toechter weitervererbt werden koenne, und Maedchen sind hier anscheinend keine Nachfahren, was, wie er einraeumte, die Sieben-Generationensache aber wieder ad absurdum fuehrt.
Ich werde in Zukunft wieder oefter und dafuer auch kuerzer berichten und nebenbei den ausstaendigen Bericht weiterschreiben (der aber auch nicht so lang sein wird. Ich werd dafuer ja auch nicht bezahlt)
Ueber Kommentare wuerde ich mich freuen, weil keine mehr gekommen sind, hab ich mir ein bisschen gedacht, dass das ohnehin kein Schwein interessiert und das war auch mit ein Grund fuer die lange Pause.
Anyway. Wieder einmal nette Gruesse aus dem netten Albanien
Mirupafshim
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Dienstag, 15. März 2005
Von Widdern und Hunden

Gestern hat mir Martini ein Buch über Albanien in deutscher Sprache geliehen, ein Buch aus der Reihe “Javaanse Jongens - unterwegs”. Es ist ein sehr ausführlicher Reiseführer von Ralph-Raymond Braun und stammt, soweit das aus dem Editorial hervorgeht, aus dem Jahr 1988. Vieles hat sich seit damals geändert, so ist zum Beispiel heute nicht mehr von bedenkenloser Trinkwasserqualität zu sprechen. Auch dürfte die etwas undifferenzierte Wiedergabe von Zitaten Enver Hoxhas bei vielen heutigen Albanern nicht nur Wohlwollen hervorrufen. Es ist aber anzunehmen, daß dieses 285 Seiten dicke Buch zur damaligen Zeit bei kritischerer Stellungsnahme zu dem Hoxha-Regime nicht zustandegekommen wäre, zumal im Vorwort die große Hilfe von Albturist (dem einzigen (und staatlichen) Reisebüro Albaniens im Kommunismus) und der Deutsch-Albanischen Freundschaftsgesellschaft (jetzt weiß ich endlich, was DAF bedeutet) lobend erwähnt wird. Auch die Kurzbiographie des Autors legt diese Vermutung nahe. Im Editorial steht desweiteren, daß ein Abdruck zwar verboten, zu Rezensionszwecken jedoch gestattet ist. Ich rezensiere daher im Folgenden:

{ Denkmäler [in Tirana]:
Auf keiner Fotoserie von Tirana fehlt die Reiterstatue Skanderbegs vor der Ethem-Bey-Moschee. Gleich zu Beginn des Boulevards der Helden der Nation hat man Lenin und Stalin der Qual ausgesetzt, tagtäglich einander anschauen zu müssen. Anstelle des alten Partisanenfriedhofes im Park am See ruhen jetzt die Gebeine von zweien der Frashëri-Brüder. Der neue Heldenfriedhof liegt auf einer Anhöhe im Südosten über der Stadt und wird seinerseits überragt von der Monumentalstatue Mutter Albanien. Hier auch das Grab Enver Hoxhas und anderer herausragender Politiker. }

In Brauns Buch findet sich neben vielen anderen, aufschlußreichen Kapiteln eines, das mir interessant genug erschien, mir die Mühe zu machen, es in Auszügen hier wiederzugeben. Es heißt: “Die traditionelle Gesellschaft Nordalbaniens”:

{ Grundelement der Sozialordnung war, wie überall, die Familie. Bis zum Tode des Vaters lebten alle, auch die verheirateten Söhne mit ihren Kindern, unter einem Dach; anschließend teilte sich die Großfamilie auf und bildete, wieder durch den ältesten Vorfahren der männlichen Linie zusammengehalten, mehrere neue Haushalte. Solche Haushalte gemeinsamer Abkunft bildeten eine Bruderschaft.
Der Haushaltsvorstand wurde von den Männern der Großfamilie gewählt oder, und diese Variante gewann im Lauf der Zeit immer mehr Gewicht, von seinem Vorgänger bestimmt. Er vertrat die Familie nach außen, besorgte ihre Geschäfte und war alleine, allenfalls mit seiner Mutter, für alle Taten der Haushaltsmitglieder verantwortlich (Schulden, Diebstahl usw.), dafür mit der römischen Potestas ausgestattet, der absoluten Verfügungsgewalt über das gemeinsame Vermögen und, jedenfalls solange die anderen sich unterwarfen, dem Weisungs- und Züchtigungsrecht gegenüber den Männern der Großfamilie. So durften etwa, eine Sache des Respektes, in seiner Gegenwart jüngere Familienmitglieder nicht rauchen noch essen.
Unter den älteren Frauen des Hauses wählte der Hausherr eine “Hausfrau” aus, sein Gegenstück in Beziehung zu den Frauen des Haushaltes. Sie leitete die Hausarbeit, indes die jüngeren Frauen auf dem Felde tätig waren oder besser sind, denn diesbezüglich hat der neue Mensch der sozialistischen Gesellschaft noch alte Unsitten bewahrt. Im gegischen [=nördlichen] Albanien wurde Arbeit ganz allgemein als Frauensache angesehen, hingegen die Männer zu kämpfen hatten, in ökonomischen Kategorien gedacht also unproduktive Schmarotzer waren. “Ein Mann hat Blut, die Frau Verwandtschaft”, und so waren sie auch vom Erbrecht ausgeschlossen und wurden bei (versehentlichem) Mord mit symbolischer Geldsumme ausgelöst.
Der Erstgeborene in der ältesten Generation einer Bruderschaft (was nicht notwendig mit dem an Lebensjahren Ältestem zusammenfällt) war der Sippenälteste und, war seine Sippe im Dorf die (ökonomisch) stärkste, gleichzeitig Dorfältester. In den Stammesgebieten bildeten die Sippenältesten die Stammesversammlung, das höchste legislative und exekutive Organ des Stammesgebietes.
[...]
Das Gesetz der Berge
Gegen Ende des 19. Jh. nehmen die Versuche zu, Rechtsbruch nicht mehr in endlose Vendettas ausarten zu lassen, sondern durch Geldstrafen zu regulieren. [...] Um auch Änderungen des althergebrachten Gewohnheitsrechts durchsetzen zu können, werden diese Satzungen auch schriftlich festgehalten, wie etwa die folgende Vereinbarung von 1892:

Auf einer Stammesversammlung unter dem Vorsitz von Brahim Beg und Kasem Beg sowie 24 Ältesten von Kastrat wurden die folgenden Gesetze verkündet:

  1. Wer auch immer einen Mann aus Kastrat oder aus dem übrigen Bergland ermordet, muß 24 Widder und 3000 Groschen Strafe zahlen.
  2. Einen Mann zu verwunden bedeutet zwölf Widder und 1500 Groschen.
  3. Wer einem anderen eine Strafe auferlegt, ohne daß die Ältestenversammlung solches beschlossen hat, wird mit 1000 Groschen und zehn Widdern gebüßt.
  4. Wer in Breg i Shpellës (ein Brunnen), Viri, oder Kruje i Ri mit anderen streitet, sie beleidigt oder mit der Flinte auf sie zielt, hat 1000 Groschen und zehn Widder zu entrichten.
  5. Wer des anderen Hag niederreißt, um für sich einen Weg anzulegen, der hat dem Eigentümer der Umfriedung 150 Groschen und drei Widder zu erstatten.
  6. Wer einen anderen auf offener Straße tötet, ist 3000 Groschen und 24 Widder schuldig
  7. Wer eines anderen Haus oder Schafpferch ausraubt, wird mit 500 Groschen und fünf Widdern bestraft.
  8. Wer eine Verheiratete oder Verlobte entehrt, dem werden 3000 Groschen und zehn Widder auferlegt.
  9. Wer beim Streit sich nicht der Schlichtung der Ältesten stellen will oder sagt “Nie werde ich dir vergeben”, hat mit 500 Groschen und fünf Widdern zu büßen.
  10. Wer sein Vieh auf anderer Leute Land grasen läßt, muß 250 Groschen und drei Widder berappen.
  11. Wer seine Schuld nicht zum vereinbarten Zeitpunkt bezahlt, wird mit 23 Groschen bestraft.
  12. Wer einen Ochsen, eine Kuh oder ein Pferd in seinem eigenen Dorf stiehlt, hat 500 Groschen und fünf Widder zu entrichten.
  13. Wer dem Ruf seines Dorfes zur Versammlung nicht folgt oder auf andere Weise seine Pflichten dem Dorf gegenüber vernachlässigt, bekommt 250 Groschen auferlegt.
  14. Wer einen Durchlaß schließt, der schon von alters her in der Hecke war: 150 Groschen.
  15. Die Ältesten treffen sich einmal jährlich eine Woche nach Johanni. Wer von ihnen sich dem verweigert, wird mit 500 Groschen gebüßt.
  16. Geschworene dürfen für einen Schiedsspruch nicht mehr als zehn Groschen verlangen, andere nicht mehr als fünf.
  17. Wer seinen Feind tötet, nachdem die Fehde durch obrigkeitliche Entscheidung beigelegt war, hat zwölf Beutel zu entrichten, wird aus dem Dorf vertrieben und nicht mehr als Mensch betrachtet.
  18. Wer einen Haushund mit in die Kirche oder an die Wasserstelle bringt, muß 50 Groschen büßen; desgleichen, wer Schweine oder Schafe an die Wasserstelle bringt oder dort Wäsche wascht.
  19. Wer seine Schulden durch die Bürgen bezahlen läßt, muß dem Gläubiger zusätzlich 25 Groschen und den Häuptlingen 150 Groschen und fünf Widder bezahlen.

Das Zusammenleben der Bergbevölkerung Nordalbaniens war bis um die Mitte unseres Jahrhunderts vom traditionellen Gewohnheitsrecht bestimmt. Neben den Pashtunen an der pakistanischen Nordwest-Grenze, in deren tribal areas das Stammesrecht noch heute gilt, dürfte das Recht der albanischen Stämme von allen mündlich überlieferten Ordnungssystemen am längsten unangefochten überlebt haben.
Mit dem Kanun-u Lek Dukakjin, dem Gesetz des Lek Dukakjin, wurde, möglicherweise vom Fürsten Alexander Dukakjin im 15. Jh., das bestehende Gewohnheitsrecht aufgezeichnet; es heißt, er sei für diesen höchst unchristlichen Kodex von Paul II. exkommuniziert worden. Seine Fassung ist uns schriftlich nicht überliefert. Nach einer anderen Interpretation wurde das Gewohnheitsrecht von den Venezianern Lex Dukakjin genannt, nämlich Gesetz der (Landschaft) Dukagjin, und später zu Lek Dukagjin verballhornt, womit die Türken wiederum nichts anzufangen wußten und erneut “Gesetz” davor schrieben, nämlich “Kanun”, um die Sache als das zu kennzeichnen, was sie war. Um die Wende zu unserem Jahrhundert wurde der Kanun von einem katholischem Pater in seinen von Region zu Region verschiedenen Fassungen aufgezeichnet.

Kernpunkte der Rechtsordnung sind die Ehre und Blutrache (als Resultat verletzter Ehre). Umgekehrt wurde die Ehre gern zum Vorwand genommen, die Fehde über Jahrzehnte hinzuziehen. Blutrache war in aller Regel Männersache, ebenso wie Ehre - per se ehrlose Frauen konnten auch keine Blutrache auslösen. Ging der Mörder nicht ins Exil und löste sich damit von seiner Sippe, konnte die Fehde zwischen den Sippen von Täter und Opfer schier endlos währen. Rache war zuerst Sache der Väter und Brüder, dann der Söhne und Onkel. Brachte ein Mann jemanden aus der eigenen Großfamilie um, blieb dies ohne Folge; das Blut des Opfers galt als verloren, es hatte quasi sich selbst getötet. Bestand die Fehde zwischen verschiedenen Stämmen, konnte sie nur nach einem umständlichen Schieds- und Kompensationsverfahren durch die beiden Stammesversammlungen beigelegt werden.
Sicher häufiger waren Streitereien innerhalb des Dorfes oder eines Stammes. Gab hier ein Wort das andere und endeten die Auseinandersetzungen mit dem tödlichen Schuß (schließlich hatte jeder erwachsene Mann auf Schritt und Tritt sein Gewehr bei sich), hatte der Mörder sich gegen den ganzen Stamm vergangen und tat gut daran, mit seinen männlichen Verwandten schleunigst abzuhauen und bei einem Nachbarstamm Schutz zu suchen. Der Ältestenrat ließ in aller Regel seinen Hof niederbrennen und das Land verwüsten. Glaubte der Mörder freilich, berechtigte Gründe für seinen Angriff gehabt zu haben, konnte er seine Sache durch angesehen Fürsprecher vertreten lassen und einen Ausgleich mit der geschädigten Familie suchen. Man schwor dann in der Kirche oder Moschee einen Gottesfrieden, der durch Heiraten oder Blutsverbrüderung auch auf längere Zeit gesichert werden konnte.

Der Fehde übergeordnet war das Gastrecht. Selbst dem Todfeind, gesetzt, er schaffte es, heil bis an die Schwelle des verfeindeten Hauses zu gelangen, war für drei Tage Gastfreundschaft und sicheres Geleit bis an die Grenze des Stammesgebietes zu gewähren. Befand man sich in Begleitung eines Fremden, war jede Rache ausgesetzt: Im Beisein des Gastes durfte kein Blut fließen. Es war selbstverständlich, jedem Fremden unentgeltlich Nachtquartier, Bewirtung und Schutz zu geben; geschah dem Gast ein Leid oder wurde seine Ehre verletzt, war die Rache Sache des Gastgebers.
Darüber hinaus regelt der Kanun natürlich auch alltäglichere Dinge wie Erbfolge, Weide und Wegerechte, den Umgang mit Bewässerungsanlagen und Brunnen, Feldarbeit und Hausbau, Kauf und Miete.

So wie in der modernen albanischen Gesellschaft noch manches aus der Vorkriegszeit fortlebt, haben sich einige Elemente des Gewohnheitsrechts erhalten oder leben in neuen Formen fort. denken wir an die bedeutende Stellung des außergerichtlichen Schiedswesens und seiner juristischen Laien, die für den Fremden auf Schritt und Tritt erfahrbare Hochschätzung des Gastes oder, als weniger löbliches Relikt, die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, die Feld und Haushalt Frauen überläßt. Die unmittelbar nach der Volksrevolution bei den politischen und ideologischen Kadern herrschende Ablehnung des Kanun in Bausch und Bogen als Überbau einer überwundenen Gesellschaftsordnung, hat inzwischen einer differenzierteren Betrachtung Platz gemacht, die im Gesetz der Berge auch positive Traditionen anerkennt.

Herr und Hund
Wenn bei Tageslicht ein Hund einen Fremden anfiel, hatte dieser das Recht, den Hund auf der Stelle zu töten. Darüber hinaus war dessen Besitzer verpflichtet, den Angegriffenen zu entschädigen. In Nordalbanien hatte dies in der Form zu geschehen, daß der Angefallene im Haus des Hundebesitzers verpflegt und versorgt werden mußte, bis die Bißwunden ausgeheilt waren. Tötete der Hund gar den Fremden, wurde dies einem Mord von Hand des Besitzers gleichgeachtet und war Anlaß einer Blutfehde.
So wie der Tag dem Mensch, gehörte die Nacht dem Hund. Wer nachts umherstreunte und gebissen wurde, war selbst schuld und bekam keine Kompensation, hätte auch ein Nachbarshund seinen Hof verlassen und den Mensch vor dessen eigener Haustür gebissen. Den angreifenden Hund zu verletzen oder zu töten, war auf der Hauptstraße des Dorfes erlaubt - geschah es andernorts, wurde dies der Verletzung, respektive dem Mord seines Besitzers gleichgeachtet. }

Zur Rezension nun: Nicht nur dieser Abschnitt, das ganze Buch ist interessant. Allerdings ist es sehr schade, daß mir kein Buch Brauns vorliegt, das weniger Reiseführer als vielmehr ethnologischer Bericht ist, denn allein das hier zitierte Kapitel gibt Anlaß zu vielen weiterführenden Fragen. Schade ist auch, daß die angesprochene Verschriftlichung des Paters nicht, zumindest in Auszügen abgedruckt wurde, wobei das Gesatz von Kastrat schon sehr dafür entschädigt. Aber das hauptsächliche Ziel des Autors war offensichtlich, einen interessanten Reiseführer herzustellen, und das ist ihm gelungen. Wenn man auch nicht mehr davon ausgehen darf, daß man heute das von Braun beschriebene Albanien in der Form vorfinden wird, zuviel ist in der Zwischenzeit passiert. Da es aber sehr schwer ist, in Österreich einen Albanienreiseführer zu erwerben (in den Buchhandlungen, in denen ich nicht einfach ausgelacht wurde, wurde ich zwar freundlich, aber doch bestimmt wieder zur Tür hinausgeschoben), kann ich Brauns Buch nur empfehlen. (Braun, Ralph-Raymond: Albanien. Reise-Handbuch und Landeskunde. Mit 42 Karten und Plänen sowie 52 Abbildungen. - Rielasingen [Hebelstraße 10]: Unterwegsverlag 1990 [EA 1988])
Inwieweit der Kanun immer noch Anwendung findet, sei dahingestellt, mir wurde von Landsleuten, die in der Region waren, berichtet, es sei, sofern man sich in Begleitung eines Einheimischen befände, gefahrlos, allerdings empfahlen sie, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr das Haus zu verlassen, was auch die Einheimischen nicht tun. Allein solle man die Gegend allerdings besser nicht bereisen, von zwei vor ein paar Jahren dort verschwundenen Tschechen fehlt heute noch jede Spur.
Zu den Hunden: In Tirana gibt es unglaublich viel davon, die sind alle Straßenköter und Klajd (ein Student) hat mir heute erzählt, daß vor ein paar Jahren eine Prämie von ca. fünf Euro für jeden abgeknallten Hund ausgesetzt waren. Diese Köter sind vor allem nachtaktiv und paaren bzw. bekläffen sich mit besonderer Vorliebe vor meinem Fenster. Das hat mich schon einige Male den Schlaf gekostet, weil es wirklich ziemlich viele sind, und da sie den ganzen Tag pennen und sich abends anknurren, haben sie nachts sowohl genug Energie als auch Zorn, um wie wahnsinnig herumzuschreien. Irgendwer hat mir erzählt, daß es auch mal Wölfe in Tirana gab (wieder vor ein paar Jahren), aber ich weiß nicht, ob ich das glauben soll. Die Quelle war dieselbe, die mir erzählt hat, daß sich während des Kommunismus die albanische Bevölkerung nahezu ausschließlich von Oliven ernährt habe.
Den nächsten Bericht gibt es nach dem Frühlingsfest, das am Montag in Elbasan stattfindet. Kein Mann, kein Ball, kein Schuß, kein Tor.
Mirupáfshim
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Montag, 7. März 2005
SK Tirana Superklub

Sonntag, 6.März

Hatte letzte Woche einiges zu tun und komm daher erst jetzt zum Schreiben. Vorigen Samstag hab ich mir das Vergnuegen gegoennt, den Tabellenführer der hiesigen Liga live zu beobachten. Ich war dort mit Ergys, dem Bibliothekar der Germanistik, der eingefleischter Fan vom SK ist und mit Klodian, der sich eigentlich weniger für Fußball interessiert, und der, glaub ich, nur mitkam, weil er durch Gespräche mit mir sein Deutsch verbessern will. Da er mich aber kaum zu Wort kommen läßt, bin ich mir nicht sicher, ob er sein Deutsch wirklich verbessert.
Das Stadion, dessen Namen ich leider vergessen habe, ist nach einem albanischen Volkshelden benannt, der irgendwann von Enver Hoxha umgelegt wurde, Ergys meinte, es gehe das Gerücht um, daß er was mit einer der Frauen Hoxhas hatte und deshalb sterben mußte. Da es recht regnerisch war, wie die meiste Zeit hier (It always rains in Mid-Albania), mußten wir uns Eintrittskarten kaufen, und nicht wie sonst üblich, einfach den Polizisten am Eintritt schmieren. Das Problem war, da es im Stadion nur Sitzplätze gab, daß die wenigen überdachten nur durch Platzkarte zu behaupten waren. Das Stadion ist, obwohl albanisches Nationalstadium, in dem auch die Nationalelf spielt, nicht besonders groß. Ergys meinte, es hätten 15.000 Zuschauer Platz, aber ich persönlich bezweifle das. Es ist unglaublich eng da, wenn man seinen Sitzplatz erreichen will und an jemand schon Sitzendem vorbei will, tritt man dem entweder auf die Zehen oder man kippt vornüber auf den darunter Sitzenden. Stehplätze gibt es nicht. Die wenigen Transparente trugen Schriftzüge wie “SK Tirana Superklub” oder “Forza Tironi”. Wir mußten uns erst noch ein paar Zeitungen besorgen, weil die Sitze im Stadion so dreckig sind, daß man was unterlegen muß. Wohl aufgrund des regnerischen Wetters waren nur wenig Besucher da, ich schätze ein- bis zweitausend. Ich habe auch nur eine einzige Frau gesehen, wie mir später erklärt wurde, ist das deshalb so, weil es früher in den albanischen Stadien immer ziemlich wild zuging.
Endlich liefen die Mannschaften ein: Der SK Tirana in blau-weiß und Durrës, ebenfalls in blau-weiß. Das hat mir besonders gut gefallen, wenn ich auch zugeben muß, daß Tirana gestreifte Shirts und weiße Shorts trug und Durrës weiße Shirts und blaue Shorts. Sie waren trotzdem nicht allzu leicht auseinanderzuhalten, was sich auch in einigen Fehlpässen niederschlug. Obwohl das Spiel technisch einigermaßen anspruchsvoll war, war doch eine eklatante Kopfballschwäche festzustellen und die Torhüter erinnerten mich nicht selten an Krasimierz Sidorczuk, Hubert (oder Herbert?) Steinlechner oder Peter Burgstaller. Wider Erwarten ging Durrës in Führung, erst 1:0, dann sogar 2:0. Die Zuschauer waren sehr erregt und schimpften aus vollem Hals. Sprechchöre gab es allerdings keine, nur einmal in der zweiten Hälfte, da aber auch nur ansatzweise. Das albanische Fußballpublikum scheint individueller zu sein als das westeuropäische. Aber auch zorniger. Es empfiehlt sich wirklich, bei einem Albanienbesuch auf ein Match zu gehen, denn es hat viel für sich, Männer in zum Großteil recht gesetztem Alter so in Rage zu sehen, rechts hinter mir saß zum Beispiel ein etwa sechzigjähriger Herr, der beim Schimpfen fast seine Zigarette verschluckt hätte. Wie mir Ergys erklärte, zielten die verbalen Attacken ausschließlich auf den Trainer von Tirana.
In der Pause kaufte er von einem Kind Sonnenblumenkerne. Ein paar von seinen Freunden waren gekommen, weil sie im Radio gehört hatten, daß Durrës 2:0 führe und da wollten sie ihre Mannschaft unterstützen. Zum Teil gelang das, denn der SK konnte die zwei Tore egalisieren. Das 2:2 war sogar ein ziemlich schönes Tor, nachdem der Ball im gegnerischen Strafraum fünf Stationen überbrückt hatte, wurde er mit einem eleganten Schlenzer ins linke Eck versenkt. Das einzige wirklich schöne Tor an diesem Nachmittag. Fast hätte Tirana noch gewonnen, aber der Schiedsrichter verlegte einen klaren Elfer ausserhalb des Strafraums. Die Empörung war groß. Interessant fand ich, daß das Tironer Publikum nur dann Beifall klatscht, wenn die Mannschaft sich einen Vorteil im Spiel erarbeitet und nicht nach schönen, aber erfolglosen Aktionen. Ein irgendwie erstümperter Eckball wird bejubelt, ein mit einem knappen Schuß neben das Tor abgeschlossener Sololauf nicht.
Weil gleichzeitig der Tabellenzweite Elbasán gegen Partizan Tirana 2:1 gewonnen hat, hat der SK nur mehr 8 Punkte Vorsprung. Mittlerweile gab es auch das direkte Aufeinandertreffen, ich kenn aber das Ergebnis noch nicht, werde es aber selbstverständlich nachliefern. Eigentlich wollte ich mit Ergys deshalb nach Elbasán fahren, aber das Wetter war zu schlecht. Schade, so wär ich endlich mal aus Tirana rausgekommen.
Am Dienstag hatte ich dann meinen ersten echten albanischen Nachmittag: In der Kneipe, in der ich immer sehr gut zu Mittag esse, saßen zwei meiner Kollegen und ein Professor vom französischen Institut und luden mich ein, mich zu ihnen zu setzen. Sie fragten mich, ob ich Bier oder Raki trinken wolle, “Ivi” (=eine ausgezeichnete Limonadenmarke) antwortete ich, und schon hatte ich einen doppelten Raki vor mir stehen. Es sollte nicht der letzte bleiben...
Einer der beiden rief dauernd seine Frau an, um ihr zu erklären, er habe grad eine Autopanne, ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie ihm das geglaubt hat, weil ihm im Verlauf des Nachmittags mindestens sechs Reifen geplatzt sind. Der andere berichtete mir, er hätte in Wien für den WWF gekeilt. Wir erzählten uns gegenseitig einige Keileranekdoten, dann brachen die drei auf. Der französische Professor war so besoffen, daß er seine Aktentasche nicht mehr fand. Ich blieb, nicht mehr ganz nüchtern, aber auch noch nicht betrunken, zurück. Um das Angefangene zu Ende zu bringen, setzte ich mich an einen anderen Tisch, an dem ein Dichter, der eine Zeitung herausgibt und dessen Werke ich vom Albanischen ins Deutsche übersetzen soll, und sein jüngerer Mitarbeiter saßen. Letzteren hab ich bereits sehr ins Herz geschlossen, neben Ergys bislang mein Lieblingsalbaner. Wobei ich natürlich niemandem Unrecht tun will, ich habe hier bis jetzt eigentlich nur nette Menschen kennengelernt. Ich wurde von den beiden aufgeklärt, daß der Raki, den ich bisher getrunken hatte, von minderer Qualität sei und auf ihren persönlichen Vorrat eingeladen. Der war auch wirklich besser. Der Dichter brachte mir dann eine Flasche Koniak, die er mir schenkte. Er beschwor mich aber, sie erst am nächsten Tag zu öffnen. Das hab ich mittlerweile auch getan. Ich bin ja eigentlich kein großer Fan von branntweinartigen Getränken (so heißt meines Wissens nach Hartalk in der Juristensprache), aber der ist wirklich sehr gut. Albanien ist ja bekannt für seinen Koniak. Irgendwann saß ich dann mit dem Dichter allein, wir aßen noch ein paar qoftë, das sind die hiesigen Cevapcici, und dann wurde ich vom Wirt, Dani, heimgefahren, obwohl ich gleich ums Eck wohne.
Der Raki des Dichters (ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich weder seinen Namen noch den seines jüngeren Mitarbeiters kenne, die beiden nennen mich aber auch immer Yuri, was mir eigentlich ganz gut gefällt) war anscheinend wirklich gut, ich hatte keinen Kater.
Am Freitag war ich mit Klodian und seinen Freunden aus. Das heißt, es dauerte geschlagene zwei Stunden, bis er endlich das Beisl fand, in dem sie ausgemacht hatten, was auch damit zu tun hat, daß es in Tirana viele Kneipen gleichen Namens gibt. Im zweiten “Valle verde” wurden wir dann endlich fündig. Wie immer, wenn ich in Tirana neuen Leuten vorgestellt werde, wurde ich sofort gefragt, warum ich gerade nach Albanien gekommen bin. Ich gebe darauf auch immer die ehrliche Antwort, daß ich zum einen darum gebeten wurde und zum anderen immer schon mal nach Albanien wollte. Eine Freundin Klodians, die in München studiert, fragte mich, ob mir nicht bewußt wäre, wie gefährlich Albanien für Ausländer sei. Ich fragte sie, was denn hier bitte gefährlich sein soll, sie meinte daraufhin, das wüßte sie auch nicht, aber immer, wenn sie in München sage, daß sie aus Albanien ist, sagten alle: “Was, Albanien? Das ist aber sehr gefährlich da.”
Wir wechselten später in den schon aus dem zweiten Bericht bekannten Cannon-Club, in den mich keine zehn Pferde mehr bringen, weil der DJ es gewagt hat, in seiner Talentlosigkeit ein Lied von The Clash derart grauenhaft zu verstümmeln, daß ich sofort nach Hause gegangen bin. (Dreimal darf geraten werden, welches Lied) Ich hatte mich so darüber gefreut nach stundenlangem “Lemon tree” und irgendwelchem Kaufhaus-Samba. Nur U2 hat noch zur Krönung gefehlt.
Sonst ist hier inzwischen nicht viel passiert, einmal abgesehen davon, daß die meisten Studenten nicht zu meinem Unterricht erscheinen. Nachdem ich hier aber auch prüfen werde, macht mir das wenig aus. Hä! Hä! Ich hab, falls ich das nicht schon erwähnt hab, auch schon geprüft. Nämlich beim Staatsexamen. Macht Spaß von der Seite. Soweit, sogut. Mitte März bin ich nach Elbasan zum Frühlingsfest eingeladen. Und nächste Woche ist hier Muttertag. Ich glaub, am Mittwoch.
So long, schönen Gruß, mirupáfshim
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PS: Wie ich soeben erfahre, endete die Begegnung zwischen Elbasán und dem SK Tirana 2:2, das heißt es bleibt bei den 8 Punkten Vorsprung.

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Donnerstag, 24. Februar 2005
Thx fuer die vielen mails,...

...die ich nicht alle persoenlich beantworten konnte, zum einen weil das Netz grad unfassbar langsam ist, zum anderen weil ich jetzt dann losmuss, die morgige Stunde ueber mittelalterliche Literatur vorbereiten. Habe im Kindler nachgelesen, dass Siegfrieds verwundbare Stelle von einem EICHENblatt herruehrt. Sehr freudsch.
Bin schon ein bisschen nervoes und hab mir heute einen Schluesselanhaenger mit der albanischen Flagge drauf gekauft. Leider ist es wieder etwas kaelter geworden.
Bis bald bzw. mirupafshim
Yakfilter

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Zweiter Bericht

Mittwoch, 23. Feber

Es ist mittlerweile wesentlich wärmer geworden, außer beim Unterricht werde ich meine lange Unterhose wohl nicht mehr brauchen. Am Freitag halte ich meinen ersten eigenen Unterricht, erst zwei Stunden Literaturgeschichte, dann noch zwei Stunden Textanalyse. Am Dienstag hab ich das erste Mal hospitiert und war sehr überrascht über das wirklich hohe Niveau. Aber ich will hier eigentlich weniger über die Uni, als vielmehr über Albanien selbst berichten. Am Samstag geh ich vermutlich ein Fußballmatch anschauen, der SK Tirana trifft nämlich auf Durrës. Insgesamt gibt es drei Vereine in Tirana, Partizan, die ehemalige Kommunistenmannschaft, die im übrigen der erste Gegner von Wacker Innsbruck im UEFA-Cup war (1970) und vor allem dank der damaligen Neuerwerbung Poldl Grausam in beiden Spielen besiegt werden konnte, Dinamo, das ist der Polizeiverein, und eben den SK. Letzterer hat blau-weiße Vereinsfarben und führt in der Tabelle mit 10 Punkten Vorsprung vor Elbasan. Ergys, der Bibliothekar der Germanistik, ist Fan desselben und nimmt mich mit.
Eben war ich in einem Cafe, in dem lief Championsleague, und die Stimmung war wie am Tivoli. Ich hab mich da mit Klodian getroffen, der ist auch Student und kommt aus Saranda, wo es ziemlich guten Fisch geben soll. Er hat mir anschließend eine wirklich günstige Mensa gezeigt, in der ich wieder einmal erstaunlich schmackhaftes Essen bekam. Albanien ist offensichtlich ein Land, in dem sogar ich einfach irgendwas bestellen kann, bis jetzt hat’s mir immer geschmeckt. (Es war diesmal ein Stück Kuh mit Kartoffeln und einer rötlichen Sauce) Es war allerdings wieder einmal ein ziemlicher Kampf darum, daß ich auch zumindest einen Teil der Rechnung bezahlen durfte. Klodian erzählte mir sehr viel, unter anderem, daß die albanischen Handymastenaufsteller keine Grenzwerte zu beachten hätten und deshalb die meisten Leute, die in deren Nähe wohnten, über kurz oder lang Krebs bekämen. Sehr beruhigend war zu erfahren, daß sich ein solcher Mast auch in unmittelbarer Nähe meines Zimmers befindet.
Gestern war ich auf einer Party in der Innenstadt, zu der mich der sowohl nette als auch witzige österreichische Botschaftssekretär eingeladen hatte. Die Bar hieß Enigma und war alles andere als leicht zu finden und grad ist der Strom ausgefallen, weswegen ich zum ersten Mal meine Kerze angezündet habe, leider muß ich jetzt nochmal von dem Passanten erzählen, der auf meine Frage nach dem Weg zur Enigma-Bar erst seinen Schwager anrief, der das dann zehn Minuten recherchierte, um anschließend zu empfehlen, mich dorthin zu bringen. Das tat der Passant dann auch, zusammen mit zwei von seinen Freunden stieg ich in seinen Mercedes ein, der beim Ausparken nicht gerade wenige andere Autos bzw. Passanten in erhebliche Gefahr brachte. Das mit dem Verkehr ist überhaupt so ein Problem in Tirana, weil nämlich im Kommunismus niemand Auto fahren durfte, gibt es jetzt einen ziemlichen Nachholbedarf, fast jeder hat eins und wer eins hat, geht so gut wie keinen Schritt zu Fuß. Deshalb ist fast dauernd und fast überall Stau und es liegt ständig ein leichter Hauch von Diesel in der Luft. Ampeln sind mehr Requisiten, man geht einfach über die Straße, wenn man das will, und die Autos versuchen dann, einem auszuweichen, was bis jetzt immer geklappt hat. Die Autofahrer sind das Ausweichen ziemlich gewohnt, weil sie dasselbe ja auch bei den unzähligen, bereits erwähnten Löchern in der Straße tun müssen. Man kann es nicht anders ausdrücken, der Straßenzustand ist katastrophal, aber sie tun was.
Wie auch immer, wir fuhren in Richtung Enigma-Bar und hielten immer wieder, um irgendwen nach der genauen Lage zu fragen, wobei wir allerdings ständig in andere Richtungen geschickt wurden, bis wir (bzw. nicht ich) letztendlich ein paar Polizisten fragten, und die mußten es ja wissen. Sie wußten es auch. Ich gab dem hilfreichen Passant zum Abschied noch meine Telephonnummer und hoffe, daß er mich mal anrufen wird.
Der Abend in der Enigma-Bar war dann auch nett, ich lernte einen Violinisten aus Shkódra kennen und einen Vertreter der ÖMV, der seit einem Jahr, ich glaub in Vlora, nach Öl bohrt und nächste Woche wieder heimfährt. Auf meine Frage, ob er schon welches gefunden habe, meinte er lakonisch: “Das wird sich noch herausstellen.” Viel Glück, ÖMV! Es ist schon erstaunlich, in welchen Kreisen ich mich hier bewege. Anschließend waren wir noch im Kannon-Club, in dem ich zum zweiten Mal an diesem Abend “Life is live” hörte. Hier wurde getanzt, es gab zwar keine Tanzfläche, aber das hinderte die Anwesenden nicht, an allen Stellen des Lokals, die nicht von Tischen versperrt waren, rhytmische Bewegungen von sich zu geben. Dazu wurde immer wieder im Takt mitgeklatscht, und ein wohlbeleibter, älterer Herr spielte leidenschaftlich Lufttrompete. Im Laufe des Abends wurde dann auch die Musik besser, sogar Renato Carosone fand seinen Weg auf den Plattenteller, was mich doch sehr erfreute und peinlicherweise auch zum Tanzen bewegte. Ich wurde anschließend von einem Botschaftsmitarbeiter nach Hause gebracht und erlebte hier, wie schon in der Nacht zuvor, ein Gewitter, das sich gewaschen hatte. Obwohl ich sehr massive Fensterscheiben habe, fürchtete ich doch sehr ein Zerbrechen derselben, das ganze Zimmer vibrierte von den explosionsartigen Donnerstößen. Ich muß zugeben, daß ich mich zum zweiten Mal in meinem Leben vor einem Gewitter fürchtete, das erste Mal war im übrigen während meiner glorreichen Zeit als Soldat der österreichischen Armee, als ich Nachtdienst neben dem Munitionsdepot zu schieben hatte und beim Zählen nach dem Blitz gerade bis “einund...” kam, diesmal war ich immerhin bis “vierundzwanzig” gekommen und es war trotzdem noch heftiger. Ich hatte dann auch einen sehr argen Alptraum, aber das gehört nicht hierher, weil derselbe in Paris und Innsbruck spielte.
So was wie Schüsse hab ich im übrigen letztens auch vor meinem Fenster gehört, sie entpuppten sich allerdings bei näherer Betrachtung als Feuerwerk.
Mittlerweile hab ich auch endlich meine Miete bezahlen können, trotz der Schildbürgerstreiche, die mir die Trotteln von Visa gespielt haben, kann ich jetzt endlich Geld abheben (Thx to hohi). Aber außer der Miete komm ich ohnehin fast ohne Geld aus, weil ich dauernd eingeladen werde. Jens, das ist der deutsche Lektor vom DAAD, hat mir gesagt, man müsse einfach noch brutaler als die Albaner auf das Bezahlen bestehen, bisher hab ich’s aber erst zweimal geschafft. Er hat mir desweiteren erklärt, warum die Albaner so auf Franz-Josef Strauss stehen: Weil er der einzige westliche Politiker war, der während den Zeiten des Kommunismus einen Besuch in Albanien machte.
Wie mir Klodian erzählte, ist gleich neben meinem Wohnhaus der Platz der Demokratie, an dem 1990 (ja, ja, ich weiß schon, das war eigentlich erst im Feber 1991) die Revolution losging. Von hier aus marschierten die Demonstranten in Richtung Skanderbegplatz, wo sie das Denkmal für den 1986 verstorbenen Diktator Enver Hoxha stürzten. Dem albanischen Beispiel folgten bekanntlicherweise anschließend auch die anderen, heute ex-kommunistischen Länder (wie z.B. die DDR).
Während des Kommunismus war es den Frauen im übrigen verboten, sich zu schminken, was sie aber jetzt nachholen, wobei man ihnen sehr Unrecht tun würde, wenn man behauptete, daß sie das übertreiben, aber sie sind schon ziemlich stylisch, falls man das so schreibt, und legen augenscheinlich sehr viel Wert auf ihr Äußeres. Klajt, ein sehr witziger Student, der mir auch geraten hat, mir die Haare schneiden zu lassen (“Ich weiß schon, das hat nichts mit deinen inneren Werten zu tun, aber du wirst hier leichter Kontakte knüpfen können, wenn du dir die Haare schneidest”), hat gemeint: “Im Kommunismus sahen alle Frauen wie Männer aus.”
Ich hoffe, am Wochenende endlich mal aus Tirana rauszukommen und auch das Hinterland etwas kennenzulernen, ich bin sehr froh, Klodian kennengelernt zu haben, weil ich ja auch vor allem auf den Süden spitz bin, namentlich auf die Steinstadt Gjirokastra und auch auf die magische Stadt Butrinti. Klodian stammt nämlich aus Saranda, das ist gleich vor Korfu und nahe den beiden eben erwähnten Orten. Und Klajts Rat, zum Berber zu gehen, werde ich auch in den nächsten Tagen befolgen. Bis dahin sollte mir auch Jens dabei geholfen haben, endlich meine bisher sehr spärlichen Photos auf den Bibliothekscomputer zu überspielen, weswegen ich eine dringende Bitte an mortimer habe: Bitte schick mir noch ein mail, um mir zu erklären, wie ich dieselben dann hier veröffentlichen kann. Thx a lot.
Ich hoffe, ihr friert nicht zu sehr (hä hä) und habt es auch sonst nett,
Mirupafshim, Yakfilter

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Montag, 21. Februar 2005
Erster Bericht, zweiter Versuch

Samstag, 19. Feber ff

Der Flug mit Allitalia war schon sehr abenteuerlich, vor allem der von Wien nach Rom, weil nämlich das Flugzeug so klein war, dafuer aber ziemlich schnittig, ein Alfa Romeo Flieger in weiß-grün. Als Bordverpflegung gab es zwei Kekse, solche, wie man sie in Albanien zu jedem Tee oder Kaffee bekommt. Der Flug war nicht gerade unturbulent, vor allem beim Anflug sah ich mich schon im Meer zerschellen. Am Leonardo da Vinci Flughafen mußte ich mir eine ziemlich strenge Körperkontrolle gefallen lassen, fast hätte ich mir meine Jeans ausziehen müssen, weil die Metallknöpfe hat. Es ist überhaupt ein Wunder, daß man nach dem 11.September nicht generell nackt fliegen muß, schließlich kann man ja auch mit einer Socke und etwas Phantasie ein Flugzeug entführen. Hier geht aber wahrscheinlich Schamgefühl vor Sicherheit. Auch meine Geldtasche durfte ich nicht am Körper behalten, weil ja auch Münzen metallisch sind. Nach ungefähr fünfmal durch den Metalldetektor und wieder zurück glaubte mir dann die Sicherheitsbeamtin, daß ich keiner von Bin Ladens (bzw. Saddam Husseins) Schergen bin.
Ich habe mich dann auf die Suche nach einer Möglichkeit, irgendwo eine Zigarette zu rauchen, gemacht, was gar nicht einfach war, bis ich die einzige Smoking Lounge gefunden hatte, mußte ich insgesamt dreimal durch eine Paßkontrolle. Immerhin blieben mir weitere Leibesvisitationen erspart. Der Flieger von Rom nach Tirana war dann wesentlich größer und dementsprechend leerer, zum Essen gab es wieder zwei Kekse, eine sogar mit Salzmandel. Der Flug war angenehm und obwohl der Himmel sehr wolkig war, hab ich schon aus der Luft einiges von Albanien gesehen. Kurz vor der Küste verfärbte sich das Meer türkis, was, wie mir später erklärt wurde, an den vielen Wasserpflanzen liegt. Das Landesinnere zeigte sich zumindest von oben sehr eindrucksvoll, es gibt hier viele kleine Seen, die großteils vom Umriß her wie Fische aussehen. Straßen habe ich mit einer Ausnahme keine gesehen, und die Siedlungen wirkten eher zerstreut.
Der Mutter Teresa Flughafen (auch Rinas Flughafen) hatte seine Landebahn in einem Feld bzw. Sumpf, genau kann ich das nicht sagen, weil der Unterschied von oben nur schwer auszumachen war und es zur Zeit sehr regnerisch in Albanien ist. Die Grenzkontrolle ging schnell vonstatten, der Stempel in meinem Paß ist zwar etwas verwischt, aber dennoch recht hübsch, neben dem albanischen Wappen und einem Propellorflugzeug ist ein nach links zeigender Pfeil darauf abgebildet. Nachdem ich die zehn Euro Einreisegebühr bezahlt und glücklich mein Gepäck bekommen hatte (es ist schon einige Flüge her, daß mein Gepäck nicht verschlampt wurde), mußte ich mich entscheiden, ob ich durch den Zoll- oder den Nichtzoll-Ausgang ins Freie gelangen wollte, da ich doch ein paar elektronische Güter im Rucksack hatte, fragte ich nach, was man alles deklarieren müsse, worauf ich keine Antwort erhielt, vielmehr wurde ich durch den Nichtzoll-Ausgang geschickt.
Ich wurde gleich von ein paar Taxifahrern angesprochen, die mir ihre Dienste anboten und meine Ablehnung derselben erstaunlich rasch und freundlich akzeptierten. Und da sah ich auch schon das Schild mit meinem Namen drauf. Es wurde gehalten von Landi, der mich sehr herzlich begrüßte und mich daraufhin zum Auto brachte, wo Vani wartete. Die beiden sind Germanistikstudenten im letzten Jahr und haben viel Zeit in deutschsprachigen Ländern verbracht, Landi war ca. sieben Jahre in Paderborn, Vani ungefähr ebenso lang in Österreich. Sie fragten mich gleich, warum ich mich für Albanien gemeldet hatte und erzählten mir daraufhin einiges über die Vorzüge von deutschen Autos, namentlich Mercedes, BMW und VW, während Opel nicht so gut sei. “Einen Mercedes läßt man nicht abschleppen, der fährt selber noch bis zum Schrottplatz.” Ich erzählte ihnen, wie sehr ich mich gefreut hatte, als im Herbst die albanische Fußballnationalmannschaft gegen die Griechen gewann, worüber beide sehr angetan waren und mir sagten, daß diese Nacht die größte Party war, die es je in Albanien gegeben hat. Allerdings erwähnten sie auch das Schicksal von zwei in Griechenland lebenden Albanern, die etwas zu laut gefeiert haben und ob ihrer Freude von erzürnten Griechen kurzerhand erstochen wurden. Zu den Nachbarländern scheinen die Albaner im Allgemeinen nicht die besten Verhältnisse zu haben, gleichfalls zur Türkei. Dafür hat man hier einen ziemlichen Österreicherbonus, da die k.u.k-Armee Albanien von der türkischen Herrschaft befreit haben soll. Ich hab allerdings auch schon eine andere Version gehört: Weil Österreich nämlich nicht am Ersten Weltkrieg beteiligt war und deshalb am Ende desselben, 1918, über eine sehr starke Armee verfügte, konnte es sich bei den in England stattfindenden Friedensverhandlungen dafür stark machen, daß die Gebiete um Shkódra nicht zu Ex-Jugoslavien kamen.
Landi und Vani fuhren mich durch die sehr bunte Stadt, die deshalb so bunt ist, weil der Bürgermeister mal Maler war und offensichtlich immer noch nicht davon lassen kann. Zum Teil ist das sehr hübsch, aber zumindest Landi teilte diese Meinung nicht: “Schwule Farben”. Die beiden brachten mich in die Qyteti Studenti, zu deutsch “Studentenstadt”, die sie nur deshalb mit dem Auto befahren durften, weil sie den Polizisten am Schranken erklärten, daß sie “den Professor aus Österreich” zu seinem Quartier brächten. Na ja, ich fühlte mich auf alle Fälle geschmeichelt. Daß man mich hier dauernd mit Titeln bedenkt, die ich nie haben werde, dagegen hab ich nicht wirklich viel, auch der Vorstand der Germanistik, Dr. Mato, mit dem ich bereits per du bin und den ich deshalb im Weiteren Martini nennen werde, stellt mich meistens als Lektor vor.
Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, das wirklich komfortabel und geräumig ist, gingen wir auf einen Drink in die Studentenstadt, wo dann später Martini zu uns stieß. Nachdem sich Landi und Vani verabschiedet hatten, ging ich mit Martini seinen Vater besuchen, der mir als Willkommensgruß gleich einen Raki spendierte, das ist ein ziemlich starker Weintraubenschnaps, auch ziemlich gut. Außerdem bekam ich noch zwei riesenhafte Lexika. Martini brachte mich daraufhin in eine Bar, die einem Freund von ihm gehört, der nicht nur sehr eindrucksvoll aussah, sondern auch interessante Anekdoten zu erzählen wußte, die mir Martini simultan übersetzte und dabei meistens hinzufügte, sofern es sich um Historisches handelte: “Ich weiß aber nicht, ob das stimmt”. Ich erfuhr obendrein, das viele Albaner ein Faible für Franz-Josef Strauß haben und lernte nebenbei einen Zahnarzt kennen, man weiß nie, wozu das noch gut sein kann...
Da mich der Barbesitzer auch zu einigen Willkommenstrunken einlud, war ich nicht mehr ganz nüchtern, als mich Martini zu meinem Quartier zurück brachte.
Am nächsten Morgen holte mich Landi ab und spazierte mit mir auf die Uni, namentlich auf das Institut für Fremdsprachen. Obwohl das Institut recht klein ist, ist es doch sehr hübsch eingerichtet, ich war im positiven Sinn ziemlich überrascht. Wir hielten uns dort nicht lange auf, sondern gingen ins Zentrum, zum Skanderbegplatz. Skanderbeg ist der albanische Nationalheld, der, ich glaube im 17. Jahrhundert, gegen die Osmanen kämpfte und deren Ausbreitung in Westeuropa verhinderte. Nachdem ich auf der Bank etwas Geld gewechselt hatte, spazierten wir auf einer Promenade, auf der sich laut Landi früher abends Jugendliche trafen, um sich zuerst mit allen möglichen Drogen vollzuknallen und sich anschließend gegenseitig zu erschießen. Er erinnerte mich daran, daß die Pubertät ein schwieriges Alter ist und meinte dann, daß sich das mit den Schießereien in der Zwischenzeit geändert habe. An dieser Stelle scheint es mir angebracht, etwas über den Sicherheitszustand in Tirana zu sagen: Bis jetzt weiß ich nicht, wovor ich mich hier fürchten sollte, sieht man einmal von den metertiefen Löchern in den Gehsteigen ab, die mir schon in Sofija begegnet waren und die scheinbar ein Charakteristikum des südlichen Balkans sind. Ich habe mittlerweile auch einige hier lebende Österreicher kennengelernt, die zum Teil schon mehrere Jahre in Albanien sind und das Land als sehr sicher bezeichnen. Mit Ausnahme einer kleinen Region im Norden, die noch eine starke Stammesstruktur hat und die man nur in Begleitung eines Einheimischen bereisen sollte (was ich ohnehin nicht vorhabe), kann man sich gefahrlos im Land bewegen, wobei ich auch das nur in Begleitung tun werde. In Tirana fühle ich mich zumindest nicht weniger sicher als in Bukarest, Lissabon, Bangkok, Delhi, Berlin oder Genua. Das liegt unter anderem auch an der omnipräsenten Polizei, die (bis jetzt) keinen unsympathischen Eindruck auf mich macht und auf meine Frage mit nur einem Wort charakterisiert wurde: Bestechlich. Und mir persönlich ist eine bestechliche Polizei wesentlich lieber als eine Randgruppen verprügelnde bzw. tötende. Wer eine Reise in dieses Land erwägt, möge sich von den in Westeuropa kursierenden Horrorgeschichten nicht ins Bockshorn jagen lassen. Ich fürchte, ich muß alle diejenigen, die so geschmackvoll waren, mir vor meiner Abreise meinen Tod vorauszusagen, enttäuschen.
Der Fluß, der durch Tirana fließt, heißt Lana und ist vom Umfang in etwa mit der Wien bzw. dem Bach, der an der Weyrer vorbeifließt, zu vergleichen. Die Häuser sind zwar zum Teil Silos, aber in ihrer Architektur nicht mit den üblichen Plattenbauten des ehemaligen Ostblocks zu vergleichen, zumal sich die Häuser z.T. sehr voneinander unterscheiden und, wie schon erwähnt, sehr farbenfroh sind. Die wenigen Privatwohnungen, in denen ich bis jetzt war, waren sehr geschmackvoll und komfortabel eingerichtet.
Am Nachmittag mußte Landi arbeiten, auch Vani hatte zu tun, weshalb ich ein bißchen allein durch Tirana spaziert bin. Eine sehr angenehme Eigenschaft der Albaner ist ihre Hilfsbereitschaft: Wenn man sich verläuft (und das tu ich dauernd) und jemanden nach dem Weg fragt, so wird einem dieser zwar nicht erklärt, vielmehr wird man gleich dorthin geführt, wenn es nicht allzu weit ist. Das ist sehr praktisch, zumal man mich hier ein bißchen für ein GPS-System hält und mich desöfteren an irgendwelche Orte bestellt, die ich unmöglich finden kann. Mit Englisch kommt man hier ganz gut durch, wenn man allerdings jemanden fragt, der diese Sprache nicht kann, ist das auch kein Problem, weil sich dann entweder jemand, der es kann, einmischt bzw. der Gefragte nicht locker läßt, bis ihm das Gefragte mittels Gesten etc. klar geworden ist.
An der Straße zur Studentenstadt ist ein Gedenkstein für eine Studentin, die von ihrem eifersüchtigen Freund umgebracht wurde. “Dumme Eifersucht”, meinte Landi, “jetzt hat er keine Freundin mehr und sitzt auf Ewigkeiten im Gefängnis”. Er hat mir auch gesagt, daß die meisten Albaner sehr temperamentvoll sind, was er mit folgendem Beispiel unterstrich: Ein albanisches Mädchen hatte (ich glaube während der 1997er Unruhen) Unterschlupf bei einem griechischen Pfarrer gefunden. Als sich die Lage wieder entspannt hatte, machte sich die Familie auf, das Mädchen heimzuholen. Der Pfarrer wollte es jedoch nicht herausgeben, anscheinend, weil er es sexuell mißbrauchte. “Da wurden ihre Brüder ziemlich sauer und rasierten den Pfarrer. Mit Glasscherben.” Das heißt, obwohl ich Albanien für sicher halte, würde ich es nicht empfehlen, sich mit seinen Einwohnern anzulegen. Aber das Beispiel zeigt auch, daß Actio eben immer auch Reactio bedeutet, wenn man allerdings kein Unmensch ist, hat man, glaube ich, nichts zu befürchten.
Durch die jahrzehntelange Abschottung und die mittlerweile irrationale Angst des Westens ist man als Ausländer hier doch noch so etwas wie ein Exot, und im Gegensatz zu Österreich ist Albanien ein Land, in dem man sich über Besucher sehr freut und sie dementsprechend behandelt.
Noch ein paar Worte zum Stadtbild: Tirana ist in vier Teile aufgeteilt, die zentrale Straße heißt Boulevard. Mein Viertel wird durch die Rruga Elbasan (Straße nach Elbasan) erreicht, an der auch die Uni liegt. Die Stadt ist sehr hügelig, wodurch ein Blick auf die ganze Stadt kaum möglich ist, ich kann daher nicht genau sagen, wie groß sie wirklich ist. Laut Vani und Landi hat sie zwischen 800.000 und 1.200.000 Einwohner, es sei das allerdings schwer zu sagen, da nie so etwas wie eine Volkszählung stattgefunden habe. Es gibt hier auch erstaunlich viel Wellblech, das allerdings nicht als Behausung, sondern als Mauer dient.
Probleme bereiten vor allem die Strom- und Wasserversorgung. Martini hat mir eine Kerze geschenkt, aber bislang hab ich nur einen Stromausfall mitbekommen, da war ich grad in einer Art Mensa und aß die fettigsten Pommes frites meines Lebens. Bisher hab ich nur einmal (gerade eben) Pommes frites gekriegt, die nicht kalt waren, aber im Allgemeinen schmeckt mir das Essen sehr gut, die Tatsache, daß man in den hiesigen Fast food Beisln fast immer alle Zutaten (Fleisch, Gemüse, Pommes, Saucen) in ein und demselben Brot serviert bekommt, führt die alte Traveller-Regel “Only peeled or cooked” ein wenig ad absurdum. Wenn ich mir meinen Impfpaß anschaue, sollte das jedoch kein Problem darstellen, und wenn ich mir irgendeine Ruhr einfange, wäre das auch keinesfalls das erste Mal und ich hab ja jede Menge Antibiotika mit. Trotzdem werd ich mir in den nächsten Tagen irgendeinen Desinfektionsschnaps besorgen, Raki scheint mir da ziemlich geeignet. Leider gibt es nicht immer Wasser, heute konnte ich nur sehr schmal duschen und im Moment kann ich mir nicht einmal die Hände waschen. Wenn Wasser da ist und ich auf warm schalte, ist das auch jedesmal ein schönes Erlebnis, weil mein Boiler das Warmwasser in explosionsartigen Stössen ausspuckt und mich angenehm an das frühere “Wassernachlassen” in meinem Elternhaus erinnert. Mit dem Strom soll es angeblich besser werden, sobald es wärmer wird, weil im Moment alle heizen und das ausschließlich elektrisch. Auch ich. Es ist zwar wesentlich wärmer als in Österreich, allerdings nur im Freien. In den Räumen ist es schon sehr frostig. Tja. Aber in meinem Zimmer ist es eigentlich immer warm, nur wenn ich was essen gehe, zieh ich die Jacke im Restaurant lieber nicht aus. Ein Stammbeisl hab ich schon, das heißt “Big Bite”. Ich war auch schon im McDonalds, das allerdings nur so heißt und mit der Kette nichts zu tun hat, außer der Entlehnung des Namens. Fisch hab ich auch schon gegessen, Martini hat mich darauf eingeladen, und der Fisch war unheimlich lecker. Irgendwann wollen wir auch zum Ohridsee fahren und einen Koran essen (auch das ist ein Fisch).
Dafür, das ich diesen Bericht jetzt bereits zum zweiten Mal verfaßt habe, ist er meiner Meinung nach vorerst lang genug, weshalb ich jetzt schließe. Photos enthält er deshalb keine, weil ich noch keine Möglichkeit gefunden habe, dieselben von meiner Kamera auf einen Computer zu laden, werde aber versuchen, das nachzuholen. Lamtumírë, Yakfilter

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Freitag, 18. Februar 2005
Erster Bericht

Hab jetzt einen ellenlangen Bericht geschrieben und der Scheissweb-log hat ihn einfach geloescht. Morgen nochmal in kuerzerer Version. Das ist sehr aergerlich!!

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Sonntag, 6. Februar 2005
Noch in Wien

Noch 9 Tage

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